So entsteht ein Klettersteig!

So entsteht ein Klettersteig!

Die "eisernen Wege" erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Aber selten wissen Klettersteig Liebhaber wie sie entstehen. Wir haben deshalb beim Experten Gerhard Schaar von bolting.eu nachgefragt.

Gerhard Schaar ist Gründer der Firma bolting.eu, welche sich auf Kletter Infrastruktur spezialisiert hat. Somit kennt er sich auch beim Thema Klettersteigbau perfekt aus und hat bereits einige erfolgreiche Projekte umgesetzt.

klettersport.tv hat sich mit ihm für ein Interview getroffen um zu erfahren, wie Klettersteige überhaupt entstehen.

Grundlegende Voraussetzungen

klettersport.tv: Gerhard,  du hast mit deiner Firma bolting.eu bereit einige Projekte umgesetzt. Kannst du uns kurz erklären, welche Voraussetzungen es für einen Klettersteig braucht?

bolting.eu: Bei einem Klettersteig würde ich die Voraussetzungen in drei unterschiedliche Kategorien einteilen. 

Erstens rechtliche Voraussetzungen wie z.B. die notwendige naturschutzrechtliche Bewilligung bzw. Bauanzeige und ein Pacht- bzw. Gestattungsvertrag mit dem Grundeigentümer. 

Zweitens die organisatorischen Voraussetzungen. D.h. die Fragen. Wer ist der Projektbetreiber bzw. Klettersteighalter? Woher soll das Budget für Bau bzw. Erhaltung kommen?  Für welche Zielgruppe soll die Anlage gebaut werden und wie soll sie ggf. im Tourismusmarketing eingebaut werden?

Und drittens muss das mögliche Felsareal sehr ordentlich geprüft werden, ob es sich überhaupt für eine Errichtung eignet.

klettersport.tv: Verstehe! Das sind eine Menge an Dingen die es zu beachten gibt. Gibt es hierbei erfahrungsgemäß Probleme? 

bolting.eu: Meiner Erfahrung nach zahlt sich ein Consulting durch eine erfahrene Firma wie unsere immer klar aus. Denn wie heißt es so schön? Der Teufel steckt im Detail. Und da kommt es regelmäßig zu vielen unterschiedlichen Problemen. Wir vermeiden das z.B. durch eine professionelle Prozessbegleitung die alle wichtigen Stakeholder vorab zusammen bringt.

Wenn ich eine Top5 Liste erstellen müsste, würde sie wohl diese Punkte beinhalten.

Erstens unterschätzen viele Projektbetreiber die Wichtigkeit und Kosten der "Rahmen Infrastruktur". D.h. Parkplätze, sanitäre Anlagen, Info- und Leitsystem sowie ein sicherer Zu- und Abstieg.

Zweitens werden Pacht- bzw. Gestattungsverträge oft für zu kurze Zeitrahmen festgelegt, wie z.B. für nur 5 Jahre.

Drittens macht man sich über den laufenden Betrieb zu wenig Gedanken. D.h. es gibt oft keine Gefahren Rückmelde Möglichkeit, keinen standardisierten Ablauf bei nötigen Sperren sowie der Möglichkeiten von elementaren Ereignissen wie Stürmen und Blitzschlag die viel kaputt machen können. Oder auch die Frage, wo im Ort es vielleicht einen Verleih von Klettersteigausrüstung geben sollte.

Viertens werden wir manchmal eingeladen Angebote für Projekte abzugeben. Als Grundlage dienen dann ein paar Fotos. Das geht gar nicht! Um ein seriöses Angebot zu erhalten raten wir jedem Auftraggeber, sich alles vor Ort gemeinsam anzusehen und alle relevanten Details durchzugehen.

Und fünftens erwartet man sich touristisch of viel zu viel von einem einzelnen Projekt. Wer würde z.B. wegen eines kleinen Schleppliftes extra irgendwohin auf Ski Urlaub fahren? Wer auf Klettertourismus setzt, muss ein schlüssiges Angebotsportfolio entwickeln oder zumindest ein überschwelliges Projekt mit starkem Alleinstellungsmerkmal auf die Beine stellen.

Der Bau selbst

klettersport.tv: Wenn aber einmal alles geklärt ist seitens eines Auftraggebers, wie läuft dann so ein Bau ab?

bolting.eu: Erfahrene Klettersteigbauer legen da zuerst einmal den genauen Routenverlauf fest. Meist wird diese mit einem oder auch mehreren Kletterseilen abgesichert. Dann muss sicher gestellt werden, dass alle Felsteile fest und und sicher verankert sind. Ggf. wird da zuerst ordentlich abgeräumt. Ist das geschafft, müssen alle Positionen der Anker bzw. der Klettersteig Griffbügel und Klettersteig Trittbügel angezeichnet werden. Denn es gilt zum einen die Normabstände einzuhalten. Und zum anderen die stabilen Positionen zu finden, an denen man sein Klettersteigset kontrolliert umhängen kann.

Danach ist klar wieviele und vor allem welche Anker man für den Bau benötigt. Sind diese besorgt, kann mit dem Bohren begonnen werden. Das ist für die Errichter sicher der anstrengendste Teil. Denn mittlerweile sind 26mm dicke Klettersteiganker Standard und man braucht somit 30mm Löcher. Zeit den großen Bohrhammer auszupacken.

Je nach Härte bzw. Kompaktheit des Gesteins, müssen die Löcher bis zu 40cm tief sein. D.h. es braucht bis zu 30 Minuten um ein solches Loch ineiner senkrechten Felswand zu bohren. Folglich sitzen die Arbeiter auch ewig lange im Klettergurt und haben deshalb oft auch ein extra Sitzbrett unter dem Hintern.

Alle Löcher werden also dann gebohrt, sauberst gereinigt und die Anker alle eingeklebt. Ist das geschafft, muss noch das Klettersteig Drahtseil eingesetzt werden. Ein kritischer Moment, bei welchem es zu ja keinen "Knicken" im Seil kommen darf.

klettersport.tv: Und wie lange dauert so ein Projekt dann in der Regel?

bolting.eu: Das ist natürlich abhängig von der Größe bzw. der Länge des Projektes. Dann spielen die örtlichen gegebenheiten eine ganz wichtige Rolle. Ist alles schön zugänglich in einem Waldstück im Tal? Oder ist es ein Projekt im hochalpinen Gelände? Wieviele Arbeiter können eingesetzt werden? Gibt es Hubschrauber Unterstützung? Usw.

Ein Projekt kann bei einem kleinem Übungsklettersteig von einer Person in ein paar Tagen erledigt werden. Bei großen Vorhaben braucht es ein halbes Dutzend Leute und mehrere Wochen.

klettersport.tv: Du hattest vorhin etwas von Alleinstellungsmerkmalen gesagt. Was genau meinst du damit?

bolting.eu: Darunter verstehen wir bei bolting.eu ein bauliches Feature, welches den Klettersteig von anderen deutlich unterscheidet. D.h. ein besonderes Merkmal welches dieses Angebot ganz besonders auszeichnet. Im besten Fall ist es ein einzigartiges Feature wie eine spannende Tibetan Bridge, oder eine spektakuläre Leiter. Ich habe auch schon eine kleine Bank mit Tisch mitten im Klettersteig auf einem Mini Absatz gesehen.

Nachhaltig und auf Wertschöpfung ausgerichtet

klettersport.tv: Wir haben auf der bolting.eu Website gesehen, dass ihr auch Leistungen im Bereich des Tourismusmarketing bzw. Digital Marketing. Braucht es das überhaupt? Ist das nicht etwas über das Ziel hinaus geschossen?

bolting.eu: Digitale Touchpoints entlang der gesamten Customer Journey gewinnen immer mehr an Bedeutung. Von der Informationsphase hin zur Entscheidungs-, Kauf- und Erlebnisphase. Und am Ende steht dann z.B. die Phase des Teilens seiner Erlebnisse.

Sowie Kletter Infrastruktur seine Alleinstellungsmerkmale haben sollte, so haben wir das als Firma natürlich auch. D.h. wir bieten einen "roten Faden" der als Ziel eine nachhaltige Entwicklung und touristische Wertschöpfung hat.

Wir werden immer wieder von Tourismusregionen, TVB´s oder Ausflugszielen kontaktiert. Sie suchen eine Lösung für immer das gleiche Problem. Sie haben eine Kletter Infrastruktur geschaffen und wissen aber nicht, wie si das auf den Boden bekommen.

Wir von bolting.eu liefern da einen ganz klaren roten Faden im Zuge unseres prozessbegleitenden Consultings. Wir verbinden auf professionelle Weise die Planung und Umsetzung der Infrastruktur mit der Vermarktung. D.h. wir bringen den passenden Content, zur passenden Zielgruppe mit finanzierbaren Kampagnen.

Kletter Infrastruktur Experte bolting.eu

Wer mehr über bolting.eu erfahren möchte, findet weiterführende Infos auf der Website des Experten für Kletter Infrastruktur.

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