Schlinge ist nicht gleich Schlinge

Schlinge ist nicht gleich Schlinge

Wir verwenden sie beim Klettern jedes Mal, und doch wissen wir über diese Ausrüstung so wenig. Bandschlingen!Deshalb bringt euch klettersport.tv diesen Ausrüstungsgegenstand nun näher. Denn Schlinge ist nicht gleich Schlinge!

Klettern ohne Bandschlinge ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem wir diesen Ausrüstungsgegenstand so häufig verwenden, sind wir uns über die Eigenheiten der Materialien und deren Unterschiede kaum bewusst.

Woraus bestehen Bandschlingen?

Die heute am Markt befindlichen Bänder gibt es in zwei Materialqualitäten zu kaufen. zum einen Polyamid a.k.a. Nylon. Und aus Dyneema. Das ist ein Markenname und ist eigentlich das Material Polyethylene. Wie beim Papiertaschentuch und Tempo, eh wissen ;-)

Polyamid hat sehr gute Allroundeigenschaften und ist zudem günstig. Deswegen waren solche Schlingen lange der Standard im Alpinsport. Nachteil? Das Material muss recht dick und breit gewebt werden, um die geforderten Bruchlasten zu erreichen. D.h. es ist sehr schwer.

Dyneema ist dagegen extrem leicht. Zudem nimmt es kein Wasser auf. Deswegen ist es auch ideal im Winter und bei hochalpinen Touren oder Expeditionen.  Des weiteren hat Dyneema eine sehr hohe Kantenfestigkeit. Somit kann an es gut über Felsköpfe legen oder Sanduhren damit fädeln.

Der Nachteil von Dyneema ist der niedrige Schmelzpunkt zum einen. Und die glatte Oberfläche zum anderen. D.h. man kann es nicht als Prusik verwenden oder es gut knoten.

Was halten Bandschlingen?

Die Bruchlasten für Schlingen sind in der EN Norm 566 geregelt. Dort werden 22kN, also 2.200kg als Bruchlast gefordert.

Sieht man sich ein Diagramm von Sturzfaktor und maximal auftretenden Kräften an, so wird klar. Die maximalen Kräfte bei Stürzen ins Seil sind um die 10kN. Bandschlingen sind also von da her doppelt übersichert.

Allerdings kann es passieren, dass diese Kräfte anders Zustande kommen. Wie z.B. bei einem Sturz direkt in die (statische) Bandschlinge. Wahrscheinlichstes Szenario ist hierfür der Sturz am Stand, wenn man oberhalb des Einbinde-Punktes steht. Also hier extrem aufpassen!

Wann sind sie auszutauschen?

Die DAV Sicherheitsforschung hat das genau untersucht und kommt zum Ergebnis. Meist erreichen Bandschlingen bereits nach 3 Jahren das Ende jener Lebensdauer, wo die geforderten Normwerte bzw. Maximalbelastungen nicht mehr erreicht werden.

In diesem Bezug liegt oft ein Missverständnis der Kletterer vor. Weil sie beim normalen Klettern immer halten, denken sie die Schlingen sind eben noch länger safe. Das stimmt lt. den Ergebnissen der Sicherheitsforschung aber ab drei Jahren nicht mehr. Sie halten zwar noch, aber keine Maximalbelastungen mehr. D.h. ein blöder Sturz wo die Kräfte größer sind als normal kann bereits zum Bruch führen!

Quelle/Fotocredit: Gerhard Schaar

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